Umweltanforderungen

ESG im Hotelalltag: Was die Branchenlösung wirklich bringt

Claudia Furger

Veröffentlicht am: 08.09.2026

Lesedauer

ca. 3 Minuten

Die esg2go-Branchenlösung dient Schweizer Hotels nicht nur für die Nachhaltigkeitsbewertung und einen entsprechenden Nachweis. Sie ist zudem ein Instrument der Unternehmensführung und -entwicklung. Was das konkret bedeuten kann – oder künftig bedeuten könnte - zeigt das Beispiel des Hotels Nira Alpina in Silvaplana. General Manager Claudia Pronk im Gespräch.

Frau Pronk, viele Hotels setzen heute auf Nachhaltigkeit. Wie findet man heraus, ob die eigenen Massnahmen wirklich wirken?

Diese Frage haben wir uns tatsächlich auch gestellt. Nachhaltigkeit spielt im Nira Alpina schon seit Jahren eine wichtige Rolle. Dabei liefen viele Initiativen aber nebeneinander, ohne dass wir ihre Wirkung gemessen haben. Deshalb wollten wir genauer hinschauen: Wo stehen wir als Betrieb tatsächlich? Was machen wir bereits gut und wo können wir uns noch verbessern? Das esg2go-Rating erwies sich dafür als perfektes Instrument.

 

Warum gerade dieses Rating?

Nachhaltigkeit zu steuern und zu bewerten, darf nicht kompliziert sein oder unverhältnismässig viele Ressourcen beanspruchen. Mit esg2go haben wir ein Online-Tool, mit dem wir unsere Aktivitäten strukturiert erfassen, dokumentieren und darüber berichten können. Die externe Verifizierung durch die SQS stärkt dabei die Glaubwürdigkeit unserer Angaben und unterstützt uns auf dem Weg zur Swisstainable – Engaged-Zertifizierung. 

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Claudia Pronk ist seit November 2015 General Manager des Nira Alpina und verantwortet unter anderem die Nachhaltigkeitsstrategie des Betriebs. 

Inzwischen gibt es eine neue esg2go-Branchenlösung für die Hotellerie. Sie haben beim Testing mitgewirkt. Was war Ihnen dabei wichtig?

Für uns war entscheidend, dass die Lösung der Realität eines Hotelbetriebs entspricht. Die Hotellerie hat sehr spezifische Abläufe und unterscheidet sich deutlich von anderen Branchen. Diese Besonderheiten müssen praxisnah erfasst werden können.

 

Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?

Ja, auf jeden Fall. Bisher mussten viele Massnahmen in eher allgemeine Kategorien eingeordnet werden. Mit der Branchenlösung können wir unsere Nachhaltigkeitsleistungen deutlich strukturierter erfassen und auswerten.

 

Was heisst das genau?

Themen wie Food Waste im Restaurantbetrieb, regionale Beschaffung oder der Ressourcenverbrauch pro Gast lassen sich zum Beispiel gezielter abbilden. Auch Kennzahlen wie Energie- oder Wasserverbrauch pro Logiernacht oder pro Zimmer lassen sich nun systematisch erfassen und vergleichen. Das gibt uns einen klareren Überblick über unsere Nachhaltigkeitsleistung. Gleichzeitig hilft es uns, Prioritäten zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen.

 

Nachhaltigkeit messbar zu machen, bedeutet, viele Daten zu sammeln. Wie aufwendig war das für Sie?

Die grösste Herausforderung bestand darin, alle relevanten Informationen zusammenzutragen. Vieles war vorhanden, aber nicht zentral erfasst. Besonders im sozialen Bereich brauchten wir etwas mehr Zeit - etwa bei Themen wie Mitarbeitendenzufriedenheit oder internen Prozessen.

 

Was hat Ihnen dieser Prozess über Ihren eigenen Betrieb gezeigt?

Die Datenerhebung hat uns vor allem gezeigt, wo noch Potenzial liegt. In unserem Fall bei der Energieeffizienz in den Zimmern oder bei der Abfalltrennung. Gleichzeitig hat uns der Prozess deutlich gemacht, wie wichtig Kommunikation ist – sowohl im Team als auch gegenüber unseren Gästen. Deshalb haben wir eine Kampagne gestartet, die unsere Nachhaltigkeitsmassnahmen sichtbarer macht. Gäste verstehen so besser, was wir tun, und für das Team wird das Thema noch stärker Teil des Alltags.

 

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Bild: Nira Alpina, zvg

 

Sie erwähnen die Mitarbeitenden. Welche Rolle spielen sie in Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?

Eine grosse. Wir denken Nachhaltigkeit stets aus dem Betriebsalltag heraus. Viele der besten Ideen entstehen genau dort, wo täglich gearbeitet wird. Wer in der Küche steht, Zimmer reinigt oder sich um die Technik kümmert, sieht sofort, wo sich etwas verbessern lässt. Dieses Wissen nutzen wir.

 

Wie machen Sie das?

Wir haben «Sustainability Champions» ins Leben gerufen. Das ist ein Projekt, bei dem Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen regelmässig zusammenkommen, um Ideen zu sammeln und Massnahmen anzustossen.

 

Also eine Art Ideenlabor im Hotelalltag?

Ja, das trifft es gut. Wir sammeln Vorschläge und prüfen, was sich schnell umsetzen lässt und wo es mehr Vorbereitung braucht. Manchmal sind es kleine Anpassungen im Alltag, etwa robustere Gläser für den Spülprozess. Manchmal entstehen daraus grössere Projekte, etwa E-Ladestationen oder stromsparende Bewegungsmelder. Und immer wieder geht es darum, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Team zu stärken.

 

Zum Schluss ein Blick nach vorne. Welche Rolle wird ESG künftig für die Wettbewerbsfähigkeit von Hotels spielen?

Ich bin überzeugt, dass ESG kein Zusatz mehr sein wird, sondern ein selbstverständlicher Teil unternehmerischen Denkens und Handelns. Gäste, Mitarbeitende und Stakeholder achten zunehmend darauf, wie ein Betrieb mit ökologischen und sozialen Themen sowie verantwortungsvoller Unternehmensführung umgeht. Für Hotels bedeutet das, die nötigen Strukturen schon heute aufzubauen. Tools wie esg2go unterstützen dabei.

 

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