«Die Erwartungen an Transparenz und Verantwortungsbewusstsein sind deutlich gestiegen»
Veröffentlicht am: 20.01.2026
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Der Sustainability Performance Standard (SPS) bietet Unternehmen einen strukturierten und praxisnahen Rahmen für nachhaltige Unternehmensführung. Wie die AcuMax Med AG diesen Standard nutzt, um ESG-Themen zu identifizieren und zu priorisieren, Massnahmen wirksam umzusetzen und Fortschritte nachvollziehbar zu messen, zeigt ein Blick hinter die Kulissen des Familienbetriebs in Bad Zurzach.
Die Seniorenmobile stehen akkurat in Reih und Glied, als würden sie gleich zu einer kleinen Parade ausrücken. Auch Schröpfgläser, Desinfektionsspender und Faszienrollen sind ordentlich sortiert und bereit für den Einsatz in Spitälern, Arztpraxen oder Physiotherapien. Schauplatz dieser Szenerie ist Bad Zurzach, genauer gesagt die Lagerräume der AcuMax Med AG. Das Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern von Praxisbedarf und beliefert aus dem «Zurzibiet» Kundinnen und Kunden in der ganzen Schweiz und im grenznahen Ausland.
Ein Familienbetrieb mit Weitsicht
Ein Stockwerk höher sitzt Manuel Welti an einem langen Holztisch. Hinter ihm hängt eine Lehrtafel über das menschliche Ohr. Welti führt den Familienbetrieb mit seinem Bruder Kevin inzwischen in der zweiten Generation. An die Anfangszeit erinnert er sich noch gut. «Den Grundstein legte mein Vater mit seinem Versandhandel für Produkte der Traditionellen Chinesischen Medizin», erzählt er. Das war vor knapp 20 Jahren. Damals stapelten sich die Produkte noch in der Garage des Einfamilienhauses der Weltis. Heute zeugt nichts mehr von den improvisierten Anfangszeiten. Die Garage weicht einer Geschäftsliegenschaft mit mehreren Hundert Quadratmetern. Statt knapp 100 Artikeln vertreibt das Unternehmen inzwischen mehr als 10 000 und aus dem Einmannbetrieb wird ein Team mit 20 Mitarbeitenden. Sie sorgen dafür, dass alles rund läuft. Denn neben dem Vertrieb gehören inzwischen auch Fachschulungen zum festen Angebot – ein zusätzlicher Pfeiler im Geschäftsmodell.
Manuel Welti
Manuel Welti führt die AcuMax Med AG gemeinsam mit seinem Bruder in zweiter Generation. Das Unternehmen mit Sitz in Bad Zurzach ist Anbieter von Praxis- und Therapiebedarf für medizinische Fachanwender in der Schweiz und im grenznahen Ausland. Ergänzend zum Handel bietet AcuMax Med Fachschulungen an und legt Wert auf verlässliche Prozesse sowie nachhaltiges Wirtschaften. Die Organisation ist nach ISO 9001:2015 und eduQua zertifiziert und erfüllt zudem die Anforderungen des Sustainability Performance Standard (SPS).
Nachhaltigkeit als unternehmerische Verantwortung
Dieses Wachstum gründet auf einer Unternehmenskultur, die von Nähe, flachen Hierarchien und einer Hands-on-Mentalität geprägt ist. Ebenso auf Entscheidungen, die nicht nur den nächsten Auftrag, sondern auch immer die langfristige Entwicklung des Unternehmens im Blick haben. Denn als Familienbetrieb gehört es für AcuMax Med seit jeher dazu, Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu wirtschaften. «Nachhaltigkeit ist Teil unserer unternehmerischen DNA», sagt Manuel Welti.
Mit zunehmender Unternehmensgrösse und steigender Komplexität der Geschäftstätigkeit reicht diese Haltung allein jedoch nicht mehr aus. «Die Erwartungen an Transparenz und Verantwortungsbewusstsein sind deutlich gestiegen – bei Kundinnen und Kunden ebenso wie bei Mitarbeitenden und Geschäftspartnern», sagt Welti. Hinzu kommen zunehmend regulatorische Vorgaben, die es zu erfüllen gilt. «Vor diesem Hintergrund haben wir uns gefragt, wie wir ein vielschichtiges Thema wie Nachhaltigkeit noch strukturierter und wirksamer angehen können», sagt er. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen könne dies eine anspruchsvolle Aufgabe sein, nicht zuletzt aufgrund begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen, wie Welti weiss. «Deshalb suchten wir einen pragmatischen Standard, der ökologische, soziale und unternehmerische Aspekte ganzheitlich abbildet, sich in bestehende Prozesse integrieren lässt und im Arbeitsalltag funktioniert, ohne den Betrieb mit zusätzlicher Bürokratie zu belasten», sagt Welti weiter.
Ein Standard, der im Alltag funktioniert
Fündig wird AcuMax Med beim Sustainability Performance Standard (SPS) der SQS. Der ISO-basierte Standard für nachhaltige Unternehmensführung bietet kleinen und mittleren Unternehmen ebenso wie grösseren Organisationen einen klaren Rahmen zur Planung, Messung und kontinuierlichen Verbesserung ihrer Nachhaltigkeitsleistung. «Die unkomplizierte Herangehensweise des Standards und seine einfache Integration in unsere bestehenden Prozesse haben uns von Anfang an überzeugt», sagt Welti.
Bestehendes nutzen, Neues systematisch aufbauen
Doch wie wird aus Haltung und Rahmenwerk gelebte Praxis? «Teilweise konnten wir auf bereits vorhandene Daten zurückgreifen», erzählt Manuel Welti. Insbesondere in den Bereichen Soziales und Governance sowie auf einzelne Umweltkennzahlen. Herausfordernder war die Erfassung von Daten im Bereich Emissionen und Umweltwirkungen, da diese bislang nicht in der erforderlichen Tiefe systematisch erhoben worden waren. «Diese Informationen mussten wir zunächst beschaffen und konsolidieren», erzählt er weiter. «Im Zuge dessen haben wir dann unser internes Berichtswesen angepasst, sodass relevante Nachhaltigkeitskennzahlen künftig effizient, nachvollziehbar und regelmässig zur Verfügung stehen». Damit schafft AcuMax Med eine wichtige Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsleistung.
Fokus auf das, was wirklich zählt
Kernstück des SPS ist die doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die sich an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) orientiert. Sie macht transparent, welche Nachhaltigkeitsthemen für das Unternehmen und seine Anspruchsgruppen tatsächlich relevant sind – und welche strategischen Massnahmen sich daraus ableiten lassen. Die Analyse zeigte rasch, auf welche Bereiche AcuMax Med den Fokus legen sollte: Im Umweltbereich sind dies Energieverbrauch, Emissionen und Materialeinsatz. Im Sozialbereich stehen die Attraktivität als Arbeitgeber, Weiterbildungsmöglichkeiten und regionale Verantwortung im Vordergrund. Und im Bereich Governance zählen eine transparente Unternehmensführung, klare Zuständigkeiten sowie die Risikominimierung in der Lieferkette zu den zentralen Themen. «Diese doppelte Wesentlichkeitsanalyse zeigte uns deutlich auf, wo wir Einfluss nehmen können und wo wir Verantwortung tragen», erklärt Manuel Welti.
Konkrete Massnahmen für die Zukunft
Entsprechend stehen in naher Zukunft verschiedene Massnahmen im Fokus. So soll zum Beispiel der Energieverbrauch der Ausstellungsfläche um 20 Prozent gesenkt werden. Auch will man in Zukunft vermehrt ressourcenschonende Materialien einsetzen. Parallel wird ein strukturiertes Sponsoring- und Engagementkonzept eingeführt, um lokale Initiativen zu fördern und der regionalen Verantwortung gerecht zu werden. Auch die internen Steuerungs- und Reportingprozesse werden weiterentwickelt, um die gewonnenen Erkenntnisse nachhaltig zu verankern. «Mit diesen und weiteren Massnahmen stärken wir unsere Position als zeitgemässer und verantwortungsbewusster Familienbetrieb», sagt Welti. Und das gegenüber Mitarbeitenden ebenso wie gegenüber Partnern und Lieferanten.
Der SPS sei dabei kein einmaliges Projekt, sondern ein Weg, den man bewusst einschlage: mit klaren Etappen, messbaren Fortschritten und der Bereitschaft, sich immer wieder kritisch zu hinterfragen. Gerade für ein KMU sei diese Struktur entscheidend. «Wir wissen, wo wir stehen und was als Nächstes ansteht. Ausserdem können wir nachvollziehbar zeigen, welche ESG-Themen wir priorisieren und gezielt vorantreiben.» Am Ende gehe es nicht um ein Zertifikat, sondern darum, Nachhaltigkeit so zu organisieren, dass sie im Betrieb tatsächlich gelebt werde, sagt Welti. Und das Schritt für Schritt. Karton für Karton. Schulung für Schulung.
Nutzen des Sustainability Performance Standard (SPS)
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Eigenschaften des Standards |
Nutzen für Unternehmen |
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Klar strukturiertes, praxisnahes Rahmenwerk, besonders geeignet für KMU |
Einfacher Einstieg in ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement |
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Orientierung an international anerkannten ISO-Normen |
Gute Anschlussfähigkeit an bestehende Managementsysteme |
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Fokus auf konkrete und wesentliche Massnahmen |
Sichtbare und messbare Verbesserungen der Nachhaltigkeitsleistung |
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Unabhängige Zertifizierung des Managementsystems durch die SQS |
Erhöhte Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden und anderen Stakeholdern |
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Unabhängige Verifizierung der ESG-Daten und -Bewertung durch die SQS |
Verlässliche Entscheidungsgrundlagen, Vergleichbarkeit (Benchmarking) und Basis für Nachhaltigkeitsberichterstattung |
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Systematischer Verbesserungsprozess (PDCA-Zyklus) |
Kontinuierliche Weiterentwicklung statt einmaliger Initiative |
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Abbildung und Integration von ESG-Anforderungen |
Integration von Markt- und regulatorischen Vorgaben ins Managementsystem |
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Nutzen bestehender Prozesse und Daten |
Zeit- und Kosteneinsparungen |
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