Warum nicht jedes ISO-Zertifikat gleich viel wert ist

Claudia Furger

Claudia Furger

Veröffentlicht am: 24.06.2026

Lesedauer

ca. 3 Minuten

Hinter jedem ISO-Zertifikat steht eine Zertifizierungsstelle. Doch nicht jede dieser Stellen ist akkreditiert. Was bedeutet die Akkreditierung? Und warum ist die Wahl der Zertifizierungsstelle genauso wichtig wie die Wahl der Norm? 

ISO-Normen sind die gemeinsame Sprache der globalen Wirtschaft. Mehr als 2,1 Millionen Organisationen weltweit «sprechen» sie, indem sie ein ISO-Managementsystem betreiben. Qualitäts- und Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit oder Informationssicherheit: Für fast jedes Managementthema gibt es eine Norm. Die beliebteste ist nach wie vor die ISO 9001 für Qualitätsmanagement mit über 1,3 Millionen zertifizierten Organisationen. Rasant zugelegt hat zuletzt die ISO/IEC 27001 für Informationssicherheit. Die SQS hat in den letzten vier Jahren ihren Umsatz mit dieser Norm fast verdoppelt. Je dynamischer der Markt, desto wichtiger und dringlicher ist die Frage: Wer stellt die wachsende Anzahl Zertifikate eigentlich aus?

 

Der Unterschied der Zertifikate

Denn was viele nicht wissen: Nicht jedes ISO-Zertifikat ist gleich viel wert. Der Grund dafür ist die Zertifizierungsstelle. Grundsätzlich darf eine beliebige Stelle ISO-Managementsysteme zertifizieren. Ob die Zertifikate national und international anerkannt sind, hängt davon ab, ob die Zertifizierungsstelle akkreditiert ist.

Akkreditierung bedeutet vereinfacht die Prüfung und formelle Anerkennung der Prüfer durch eine nationale Akkreditierungsstelle. Akkreditierte Zertifizierungsstellen werden regelmässig bewertet und überwacht und müssen nachweisen, dass sie kompetent, unparteiisch und nach international anerkannten Anforderungen arbeiten. Die Bezeichnung akkreditierte Zertifizierungsstelle ist somit keine Selbstdeklaration, sondern das Ergebnis eines formellen Akkreditierungsverfahrens. 

 

 Wer die Zertifizierer kontrolliert

In der Schweiz übernimmt diese Aufgabe die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS), die dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO angegliedert ist. Die SAS überprüft die SQS regelmässig nach der ISO/IEC 17021-1 für die Zertifizierung von Managementsystemen, nach der ISO/IEC 17065 für die Zertifizierung von Produkten und nach der ISO/IEC 17020 als Inspektionsstelle. Diese Überprüfung erfolgt nicht einmalig, sondern fortlaufend. Eine Nichteinhaltung von Akkreditierungsanforderungen wird konsequent behandelt und kann bis zur Suspendierung oder zum Entzug der Akkreditierung führen. Entsprechend investiert die SQS substanzielle Ressourcen in die Kompetenz ihrer Mitarbeitenden, die Wirksamkeit ihrer Prozesse und die kontinuierliche Weiterentwicklung ihres Managementsystems. Nicht akkreditierte Stellen verfügen nicht über die unabhängige und regelmässige Überwachung durch eine Akkreditierungsstelle. Dies stellt einen wesentlichen Unterschied hinsichtlich Transparenz, Nachweis der Kompetenz und internationaler Anerkennung dar. 

Felix Müller, der CEO der SQS, sagt: «Die SAS prüft Jahr für Jahr, ob wir die hohen Anforderungen der ISO und des internationalen Akkreditierungssystems an die Konformitätsbewertung erfüllen. Im Gegensatz dazu ist bei nicht akkreditierten Stellen nicht gewährleistet, dass sie die Kompetenzen, Prozesse und Unabhängigkeit aufweisen, die für eine hochwertige und anerkannte Zertifizierung notwendig sind.» Unternehmen würden deshalb über weniger Sicherheit hinsichtlich der unabhängigen Bestätigung der Zertifizierungsqualität verfügen. 

 

Das System hinter der Akkreditierung

Das internationale Akkreditierungssystem ist mehrstufig aufgebaut und schafft auf jeder Ebene Verbindlichkeit. 

 

 

Dieses mehrstufige System der Koordination und Kontrolle schafft internationale Vergleichbarkeit und Vertrauen. Ein akkreditiertes Zertifikat ist überdies eine rechtliche Urkunde. Nicht akkreditierte Stellen sind von diesem System ausgeschlossen. Sie können keine akkreditierten Zertifikate ausstellen, auch wenn sie behaupten, nach denselben Normen vorzugehen.

Der Nutzen für Unternehmen

Was bedeutet das jetzt für Unternehmen? Ein akkreditiertes Zertifikat wird national wie international anerkannt. Es erleichtert den Zugang zu Märkten, schafft Vertrauen bei Kundinnen und Kunden und dient als belastbarer Nachweis gegenüber Behörden, Geschäftspartnern und Investoren. Besonders relevant ist dies überall dort, wo formelle Nachweise verlangt werden: bei Ausschreibungen, Lieferantenbewertungen oder regulatorischen Anforderungen. Unternehmen profitieren dabei nicht nur von der Anerkennung des Zertifikats, sondern auch von der Gewissheit, dass ihre Managementsysteme nach einheitlichen und unabhängig überwachten Standards geprüft wurden. 

 

 

Gerade in einer Wirtschaft, die global vernetzt und zugleich geopolitischen Verwerfungen ausgesetzt ist, schafft die akkreditierte Zertifizierung normative Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen. Die Wahl der Zertifizierungsstelle ist deshalb keine Formalität, sondern ein entscheidender Faktor für die Aussagekraft und Glaubwürdigkeit eines Zertifikats.

 

Quelle: Global Growth Insights 

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