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ChatGPT, Copilot & Co. im Unternehmen: Warum sichere KI-Nutzung mit ISO/IEC 27001 beginnt

Veröffentlicht am: 19.10.2026

Lesedauer

ca. 4 Minuten

Die Buchhaltung lässt eine Auswertung von ChatGPT formulieren, der Vertrieb übersetzt Offerten mit einem Gratis-Tool, die Entwicklerin prüft Quellcode im Browser-Chat. Nichts davon steht in einer Weisung – und genau das ist das Problem. Aktuelle Studien aus dem DACH-Raum zeigen: Rund die Hälfte der Büroangestellten nutzt KI-Werkzeuge, die das Unternehmen weder bereitgestellt noch geprüft hat. Mit diesem Blogbeitrag wollen wir zeigen, warum Verbote daran nichts ändern – und wie ein Informationssicherheit-Managementsystem (ISMS) nach ISO/IEC 27001 die KI-Nutzung dorthin bringt, wo sie hingehört: in geregelte Bahnen.

Schatten-KI ist kein Randphänomen

Der Begriff klingt nach Regelbruch, die Realität ist banaler: Mitarbeitende greifen zu KI-Tools, weil diese eine Aufgabe schneller erledigen – einen Text kürzen, ein Protokoll zusammenfassen oder rasch eine Formel erklären. Die Tools sind sofort verfügbar, kosten wenig bis nichts und sind aus dem Privatleben vertraut. Wo das Unternehmen keine freigegebene Alternative anbietet, entsteht die Nutzung von selbst – über private Konten, im Browser, auf dem Smartphone. Erhebungen aus Deutschland kommen übereinstimmend zum gleichen Bild: Etwa jede zweite Person am Schreibtisch nutzt beruflich KI-Dienste ohne Freigabe, während nur eine Minderheit der Unternehmen offiziell einen Zugang bereitstellt oder klare Regeln kennt. Diese Lücke zwischen tatsächlicher Nutzung und offiziellem Angebot ist der Kern des Problems.

Die reflexartige Antwort – ein Verbot – verschiebt das Problem nur. Der Produktivitätsgewinn verschwindet nicht, weil die Geschäftsleitung ihn untersagt; die Nutzung wandert dorthin, wo niemand mehr hinsieht: ins private Smartphone, in den privaten Account. Anders als klassische Schatten-IT hinterlässt sie dabei kaum Spuren. Wer ein Dokument in einen Cloud-Speicher lädt, hinterlässt eine Datei, die sich finden lässt. Wer denselben Inhalt in ein Chat-Fenster kopiert, hinterlässt – aus Sicht des Unternehmens – nichts. Der Datenabfluss ist unsichtbar.

«ChatGPT-Eingaben sind Datenexporte»

Dieser Satz fasst zusammen, was sicherheitstechnisch passiert: Was Mitarbeitende in ein öffentliches KI-Tool eingeben, verlässt das Unternehmen und wird auf fremden Systemen verarbeitet – häufig ausserhalb der Schweiz, zu Bedingungen, die der Anbieter definiert. Bei einem harmlosen Textentwurf ist das unkritisch. Bei einer Offerte mit Preiskalkulation, einem Personaldossier, Kundendaten oder Quellcode ist es ein Abfluss vertraulicher Informationen – ohne Vertrag, ohne Prüfung und ohne Kontrolle. Sind Personendaten betroffen, stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Datenschutzgesetz: Die Bearbeitung durch einen Dritten braucht eine Grundlage, und die Verantwortung dafür bleibt beim Unternehmen – nicht bei der Person, die den Text eingefügt hat.

Entscheidend ist die Einsicht, dass es sich nicht um ein KI-Problem handelt, sondern um ein klassisches Problem der Informationssicherheit: unklassifizierte Daten, ungeprüfte Cloud-Dienste, fehlende Regeln oder fehlende Sensibilisierung. Und dafür existiert ein erprobtes Instrumentarium.

Was ein ISMS nach ISO/IEC 27001 konkret regelt

Die ISO/IEC 27001 erwähnt ChatGPT mit keinem Wort und ist trotzdem ein geeigneter Rahmen für die sichere KI-Nutzung im Unternehmen. Denn ein ISMS verbindet einzelne Massnahmen wie Datenklassifizierung, Tool-Freigaben, Lieferantensicherheit und Schulung zu einem zusammenhängenden Managementprozess. Dadurch wird nicht nur festgelegt, was erlaubt oder verboten ist. Die Organisation kann Risiken bewerten, Verantwortlichkeiten definieren, Massnahmen priorisieren und regelmässig überprüfen, ob sie noch wirksam sind. Das ist gerade bei KI wichtig, weil sich Tools, Funktionen und Nutzungsszenarien laufend verändern.

Die Übersicht zeigt, welche Elemente der Norm welche Alltagsfrage regeln:

Frage aus dem Alltag

Element im ISMS (ISO/IEC 27001:2022)

Was damit geregelt ist

Welche Daten dürfen in ein KI-Tool?

Inventar der Informationswerte und Klassifizierung von Informationen

Öffentlich, intern, vertraulich, Personendaten – erst die Klassifizierung macht eine KI-Regel überhaupt formulierbar

Was ist erlaubt, was nicht?

Richtlinie zur zulässigen Nutzung von Informationen und Werten

Eine KI-Weisung mit freigegebenen Tools und konkreten Beispielen statt Pauschalverbot

Welche Tools geben wir frei?

Informationssicherheit bei der Nutzung von Cloud-Diensten, Lieferantenbeziehungen

KI-Dienste werden wie jeder Cloud-Anbieter geprüft: Vertrag, Datenstandort, Nutzung der Eingaben, Exit

Wie verhindern wir unbemerkten Abfluss?

Verhinderung von Datenlecks, Webfiltering, technische Überwachung

Technische und organisatorische Massnahmen gegen unkontrollierte Datenflüsse – risikobasiert statt flächendeckend

Wie erreichen wir die Mitarbeitenden?

Sensibilisierung und Schulung

Wer versteht, warum eine Offerte nicht in den Gratis-Chat gehört, braucht kein Verbot

Was tun, wenn etwas passiert ist?

Handhabung von Informationssicherheitsvorfällen

Definierter Prozess für Meldung, Bewertung und Reaktion – inklusive allfälliger Meldepflichten

Der entscheidende Unterschied zu einer isolierten «KI-Policy» aus der Schublade: Im ISMS sind diese Elemente keine Einzelmassnahmen, sondern Teil eines Systems, das risikobasiert priorisiert, regelmässig überprüft und laufend verbessert wird. Neue Tools, neue Anwendungsfälle, neue Risiken – der Zyklus aus Risikobeurteilung, Massnahmen und Überprüfung fängt sie auf, statt dass jede Neuerung eine neue Ad-hoc-Weisung auslöst.

Vom Verbot zum geregelten Angebot: vier Schritte

  1. Hinschauen statt wegschauen. Erheben, wofür Mitarbeitende KI heute tatsächlich nutzen – ohne Schuldzuweisung. Die heimliche Nutzung zeigt präzise, wo offizielle Prozesse zu langsam oder zu umständlich sind.
  2. Daten klassifizieren. Ohne Klassifizierung bleibt jede KI-Regel Theorie. Drei bis vier Stufen genügen – entscheidend ist, dass Mitarbeitende auf einen Blick erkennen, welche Inhalte in welches Tool dürfen.
  3. Freigegebene Werkzeuge bereitstellen. Geprüfte Dienste mit Unternehmensvertrag statt privater Konten. Die offizielle Lösung muss mindestens so bequem sein, wie der Gratis-Chat – sonst gewinnt der Gratis-Chat. Ein Beispiel: Copilot von Microsoft.
  4. Regeln schulen und leben. Eine kurze, konkrete KI-Weisung mit Beispielen, eingebettet in die bestehende Sensibilisierung und eine Anlaufstelle für die Fälle, die die Weisung nicht abdeckt.

Und wenn KI mehr ist als ein Bürowerkzeug?

Hier behandeln wir die Nutzung von KI-Tools im Arbeitsalltag – das ist für die meisten Organisationen der dringendste Fall, und er ist mit einem ISMS nach ISO/IEC 27001 gut gefasst. Sobald eine Organisation KI-Systeme selbst entwickelt, trainiert oder in Kernprozessen betreibt – etwa in der Kreditvergabe, im Recruiting oder in der Qualitätskontrolle – stellen sich zusätzliche Fragen: nach Folgenabschätzung, menschlicher Aufsicht und der Governance des gesamten KI-Lebenszyklus. Dafür gibt es mit der ISO/IEC 42001 eine eigene, zertifizierbare Norm, die auf dem ISMS aufbaut. Welche Norm wofür steht, zeigt unser Vergleich von ISO/IEC 27001, ISO/IEC 42001 und SOC 2.

Häufige Fragen (FAQ)

Sollen wir ChatGPT im Unternehmen einfach verbieten? +

Ein Pauschalverbot ohne Alternative verlagert die Nutzung nur in private Kanäle, wo sie unsichtbar wird. Wirksamer ist die Kombination aus Datenklassifizierung, freigegebenen Tools mit Unternehmensvertrag und einer kurzen, konkreten Weisung – eingebettet in ein Managementsystem, das die Regeln aktuell hält.

Was dürfen Mitarbeitende in öffentliche KI-Tools eingeben? +

Als Faustregel: nur Inhalte, die auch öffentlich sein dürften. Vertrauliche Geschäftsinformationen, Personendaten, Kundendaten und Quellcode gehören nicht in Dienste ohne entsprechende vertragliche Zusicherungen. Die verbindliche Antwort für Ihr Unternehmen liefert die eigene Datenklassifizierung.

Deckt ISO/IEC 27001 das Thema KI ab, oder brauchen wir ISO/IEC 42001? +

Für die sichere Nutzung von KI-Werkzeugen durch Mitarbeitende ist die ISO/IEC 27001 das richtige Instrument: Sie regelt Datenklassifizierung, Tool-Freigaben, Cloud- und Lieferantensicherheit und Schulung. Die ISO/IEC 42001 kommt dazu, wenn die Organisation KI-Systeme selbst entwickelt oder betreibt und deren Governance nachweisen will.

Verlangt das Gesetz eine KI-Weisung? +

Eine explizite Pflicht zur KI-Weisung kennt das Schweizer Recht derzeit nicht. Das Datenschutzgesetz verlangt aber angemessene Massnahmen zum Schutz von Personendaten – und wer nicht regelt, welche Daten in welche Tools fliessen, kann diese Angemessenheit kaum belegen. Für Unternehmen im Geltungsbereich des EU AI Act kommen zudem Anforderungen an die KI-Kompetenz der Mitarbeitenden hinzu.

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